Minimalismus ist keine Mode, sondern eine Haltung

Mit der modularen ROCK.AIR eröffnet STEININGER die Grillsaison. Dem Vorgängermodell ROCK aus Naturstein wurde mit Oberflächen aus Edelstahl eine Prise Glamour verpasst. Trotzdem: Auch die Neuedition der mobilen Küche ist ein puristischer Entwurf mit klaren Ecken und Kanten. Reduktion als Stilmittel zieht sich durch alle Entwürfe von Martin Steininger – ob Möbel, Interior oder Architektur. Ein Plädoyer für das Gute im Wenigen.

 

Im Designprozess verfolgt Martin Steininger das Prinzip der maximalen Vereinfachung, wohlgemerkt in Bezug auf die Form nicht auf die Ausstattung: Mit ungewohnten Materialien wie Stein, Beton, Aluminium oder Messing unterstreicht er die geradlinige, bisweilen archaische Anmutung seiner Kreationen. Und diese Werkstoffe wollen erst einmal bezwungen werden, mental bei der ersten Idee und später in der Produktion.

Auch die ROCK.AIR mit Stahloberflächen ist ein Bekenntnis zum kompromisslos Schlichten. Im Garten oder auf der Terrasse steht sie als exklusives Open-Air-Kochvergnügen für Distinguierte, die kein Sentiment haben fürs Ornament und profanes Grillgebrutzle am Lagerfeuer.
Bei den Interieurs von STEININGER ergänzen Details wie Stoffe, Leder, Teppiche und atmosphärische Lichtkonzepte die reduzierten Settings.
So entsteht Sinnlichkeit, Wärme und Gemütlichkeit. Dennoch: Auch hier huldigt Steininger dem Minimalismus, Motto: „weniger und besser“.

Martin, was haben Deine Küchen mit Donald Judd zu tun?
(lacht) „In Sachen Minimalismus und Klarheit ist Judd für mich Vorreiter. Besonders beeindruckt war ich von seiner Installation „100 Works in Mill Aluminium“, bei der gleich große Kuben aus Aluminium in exaktem Abstand zueinander positioniert sind. Das hat mich zu der kubischen Form der Outdoor-Küche ROCK inspiriert und aktuell bei der ROCK.AIR haben wir es fortgesetzt. In dieser radikalen Form liegt für mich Schönheit. Die Küchen sind eine Hommage an sein Werk.“

 

Provokant gefragt: Sind Deine monumentalen Entwürfe, wie auch die  FOLD aus Messing,  doch eher Skulpturen zum Anschauen und weniger alltagstauglich?
„Das ist natürlich völliger Quatsch. Unsere Designs sind luxuriös, aber vor allem hochfunktional und langlebig. Alles ist von hoher Qualität und durchdacht. Das hält jahrelang, da geht nichts mal eben so kaputt. Und Gebrauchsspuren gehören halt auch dazu. Das ist das Leben und hat ja nichts mir der Präsentation im Showroom zu tun. Wir machen das für Menschen und fürs gesellige Beisammensein. Die Küche ist heute der zentrale Kommunikationsort. Gleichzeitig zieht es die Leute von März bis Oktober nach draußen. Dafür ist die ROCK.AIR die perfekte Lösung. Die modularen Kuben lassen größtmöglichen Freiraum, alles ist flexibel und leicht zu arrangieren.“

 

STEININGER steht für Designküchen, Interieurs und Architektur. Verliert man da nicht den Fokus?
„Das Gegenteil ist Fall. Nur so kann alles aus einem Guss entstehen! Für mich zählt immer das Gesamtbild und das muss stimmen. David Chipperfield sieht es wohl ähnlich. Er vertritt die Ansicht, dass Architekten Gebäude oft nur als Objekte begreifen. Er hingegen sieht sie als Setting, Szenografie oder eine Theaterbühne. Wenn man Architektur so versteht, interessiert man sich natürlich auch für die Objekte darin, also Interieur, Küchen und Möbel, ja sogar passende Accessoires. Genau so halten wir das. Alles andere wäre kurzsichtig. Der Markt will das haben! Daher entwerfen wir auch gerade die STEININGER COLLECTION.

Ziel guter Gestaltung und Architektur sollte sein, gute Orte entstehen zu lassen, die den Nutzern dienen und ja – auch ihr Leben verschönern. Das ist der Anspruch, bei allem was wir machen. Und für mich liegt Schönheit im Schlichten und Klaren in Verbindung mit natürlichen Materialien. Das ist zeitlos. Und nur das Zeitlose überdauert oder hat Potenzial zum Klassiker.“ 

 

Neben Donald Judd, nanntest Du einmal Adolf Loos und Walter Gropius als Einflüsse. Gibt es aktuell Designer oder Architekten, die Dir gefallen?
„Mich faszinieren einfache, klare und geometrische Formen, sei es in der Natur, Architektur, Kunst oder Bildhauerei. Da kommt aus Japan und China inzwischen Gutes, auch aus Skandinavien, Österreich, der Schweiz. Chipperfield hat das mit der James Simon Gallery in Berlin vorgemacht. Peter Zumthor verfolgt seine klare Linie mit großem Respekt vor dem Ort. Auch die reduzierten Räume mit stimmungsvollen Lichtspielen eines John Pawson oder Claudio Silvestrin sprechen mich an.“

Manche empfinden diese Askese der Räume als ungemütlich. Deshalb kommt wohl auch regelmäßig ein Gegentrend zu mehr Farbe und Opulenz im Wohnbereich wie auch 2020. Wie schätzt Du das ein?
„In Form puristisch und klar zu sein, bedeutet nicht, dass Interieurs kalt wirken müssen! Ich sehe sie als intime und individuelle Rückzugsorte vom hektischen Alltag und der ganzen Bilder- und Medienflut. Ich kenne sogar Leute, die haben ihre Wände bewusst weiß gelassen ohne Kunst, einfach um die Gedanken schweifen zu lassen und runterzukommen, einfach mal zu Chillen. Uns geht immer darum, Wünsche der Kunden und ihre Erwartung an individuellen Wohnraum in unsere Handschrift zu übersetzen. Es ist schließlich ein gemeinsames Projekt. Natürlich beobachten wir auch die Trends, aber letzten Endes bleiben wir uns und der Marke treu.“

 

Ein letzte Frage: Dein Großvater gründete die Möbelmanufaktur 1933, wie würde er die Entwicklung von STEININGER sehen?
„Er wäre erstaunt über die technischen Möglichkeiten, die wir heute haben und gleichzeitig begeistert, dass wir uns die Tradition des Handwerks bewahren. Nichts wird dem Kunden übergeben, ohne dass wir selbst Hand anlegen. Manche Schritte können einfach nicht von Maschinen erledigt werden. Ich denke, unsere Gestaltung würde ihm gefallen. Er mochte Adolf Loos, den österreichischen Wegbereiter der modernen Architektur, der das Ornament bereits 1908 als Verbrechen bezeichnete (lacht)... Ganz so krass sah es Großvater wohl nicht. Aber bei seinen Möbeln waren ihm Qualität, Material und vor allem klare Formen wichtig.“